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Die Volkshalle
Eine "Arena" des vergangenen Jahrhunderts

Landauf, landab feiern die Schützen in ihren Hallen. Da drängt sich die Frage auf, warum in Neheim keine solche Einrichtung vorhanden ist. Doch das war nicht immer so.
Anfangs bedurfte es keiner Halle. Die "Gelach" (Gelage) genannten alljährlichen Zusammenkünfte der Schützen waren noch keine Volksfeste, sondern fanden im kleinen Kreis im Rathaus statt. In der drangvollen Enge des mittelalterlichen Städtchens war das einer der wenigen Orte, wo es Raum für größere Festlichkeiten gab.
 Die bei der Möhnekatastrophe 1943 zerstörte Volkshalle wurde 1884 als Schützenhalle von der Neheimer Bruderschaft errichtet.
Aber auch Privatleute konnten für ihre Festlichkeiten auf diese "Gemeinschaftsräume" zurückgreifen. So berichtet die Chronik, dass die Ursache für den verheerenden Stadtbrand von 1575, als schon einmal fast ganz Neheim zerstört worden war, eine Hochzeitsfeier im Rathaus war, bei der unachtsam mit Feuer hantiert worden war.
Die Schützen pflegten zu ihren Gelagen die örtlichen Honoratioren einzuladen. Im Laufe der Zeit wurde der Kreis wohl immer größer, so dass der zur Verfügung stehende Raum schließlich nicht mehr ausreichte. Verschärft wurde das Problem dadurch, dass auch die Aufgaben der städtischen Verwaltung bei gleichzeitig steigendem Platzbedarf zunahmen.
So kam es schließlich zum Abschied der Schützen vom Rathaus, in dem sie übrigens auch die zum Brauen ihres Festbiers benötigten Gerätschaften aufbewahrten. Weil es sich bei dem Nutzungsrecht um einen geldwerten Vorteil handelte, kam die Stadt nicht umhin, diesen der Bruderschaft förmlich abzukaufen.
Am 16. August 1883 wurde der Vertrag besiegelt. Als Entschädigung für ihren Verzicht erhielt die Bruderschaft 3000 Mark in bar und ein 1200 Quadratmeter großes Grundstück. Weitere 1205 Quadratmeter der Parzelle Flur I Nr. 374/158 kauften die Schützen der Stadt für 180,65 Mark ab.
Auf diesem Gelände - heute Parkplatz vor dem Möhnesportplatz - wurde ab 1884 die Schützenhalle errichtet. Doch allzu lange konnte sich die Bruderschaft dieses 1892 noch einmal baulich erweiterten Besitzes nicht erfreuen. Durch die wirtschaftliche Situation während des Ersten Weltkriegs geriet sie in finanzielle Schwierigkeiten und konnte die Halle nicht mehr halten. Im Wege der Zwangsversteigerung ging sie an den neuen Besitzer Caspar Post ("Posts Käppe"). Dessen Sohn Willi, langjähriger Wirt im "Deutschen Haus" in Neheim, erinnert sich: "2000 Menschen passten alleine in den großen Saal, mit den Nebenräumen 3000."
 Volkshalle Neheim | Inserat in "Neheim - Eingangspforte des Sauerlandes", September 1934
Die Schützen hatten auch weiterhin die Möglichkeit, unter diesem Dach ihre Feste zu feiern. Bis der Zweite Weltkrieg alle Lustbarkeiten verstummen ließ. In der Nacht zum 17. Mai 1943 trat infolge eines britischen Luftangriffs auf die Möhnetalsperre eine verheerende Flutkatastrophe ein, die das mächtige, jetzt "Volkshalle" genannte Gebäude komplett fortspülte. Es wurde nie wieder aufgebaut.
Den nunmehr wieder freien Platz nutzten Schützen wie Jäger nach dem Krieg als Festgelände, auf dem - wie es in den Einladungen heißt - "unter Zelten" gefeiert wurde - die Schützen jedes Jahr, die Jäger traditionell nur alle zwei Jahre. Um diese Konkurrenzsituation zu beenden, rückten Schützen und Jäger 1976 zusammen und veranstalten seitdem alljährlich das "Neheimer Volksfest", wobei die Vereine abwechselnd Regie führen.
Sie wandten sich schließlich auch ab von der Peripherie und wechselten ins Zentrum Neheims. Weiterhin unter Zelten, nun aber auf dem Markt wird das "Gelach" gefeiert und zieht Jahr für Jahr Tausende von Besuchern an.

Quelle:
WR-online, 11.07.2007
Neheim - Eingangspforte des Sauerlandes, Sept. 1934
LINKS zum Thema:
http://www.schuetzenbruderschaft-neheim.de/
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