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 Jägerteddy

Von der Schießbude zum Maskottchen der Königin
40 Jahre am herrschaftlichen Hof


Gerda Klein, Teddy, Hermann Krick  © WPFür seine 40 Jahre hat er sich gut gehalten. Freilich werden die roten Haare etwas dünner, aber damit war zu rechnen. Auch die Kinnpartie ist nicht mehr so straff wie noch vor einigen Jahren und das rechte Auge - nun ja. Es hängt herunter, müsste gerichtet werden.

Aber eigentlich könnte es kaum besser um ihn stehen, den Teddy der Jägerkönigin. Er wird von seinen Besitzern geliebt, gehegt und gepflegt und strahlt noch immer Würde aus. Noch immer steht ihm die schwarze Uniform mit den weißen Epauletten blendend, auch wenn die vielen Buttons seine Jacke langsam wie einen Jesuitenrucksack beim Kirchentreffen aussehen lassen. Dennoch - oder gerade deswegen: Das dunkelrote Plüschtier verleiht jedem Raum (jäger-)königliches Flair.

Das derzeitige Königspaar, Thomas und Bettina Schwingenheuer, kann sich aber nur noch zweieinhalb Wochen über den Bären freuen. Eigentlich weniger, denn derzeit sitzt er auf der Jägerausstellung in einer Glasvitrine. Wenn er zurückkehrt, wird er noch kurz seinem angestammten Platz im Wohnzimmer einnehmen. Dann aber heißt es Abschied nehmen, denn am Dienstag nach dem Sternschießen wird der Teddy zum 20. Mal seinen Besitzer wechseln. Auf dem Hofstaatausflug wird die vorige ihn der neuen Königin übergeben. So will es die Tradition.

Bettina Schwingenheuer bedauert schon jetzt den Verlust. "Er wird uns fehlen", sagt sie. Von ihrer Kompanie hat sie zwar einen kleineren Teddy bekommen, der den echten so gut es geht ersetzen soll. Aber der große Rote mit den schwarzen Wollsocken ist für die Königin einmalig.

Als Kuscheltier einmalig
Als sie das Kuscheltier selbst überreicht bekam, war Bettina Schwingenheuer allerdings aus allen Wolken gefallen. "Von dem Teddy hatte ich noch nie etwas gehört", gesteht sie, und ist damit keineswegs allein. Trotz seiner langen Geschichte kennen nur wenige Neheimer den Bären, kaum jemand kann sich erinnern, wo er herkommt und wie lange es ihn schon gibt.

Einer aber weiß es genau: Paul Dieter Klein (56), Elektriker und Jägerkönig von 1968. Als gerade 16-Jähriger war Klein vier Jahre vor seinem Triumph dabei, als das rund 50 Zentimeter große Ungetüm vom Hofstaat auf der Kirmes "geschossen" wurde.

"Hermann Kaiser, der damalige Schirmherr des Hofstaates, hat den Hofstaat eingeladen, über die Kirmes am Möhneplatz zu gehen", erzählt Klein. Die Stimmung sei prächtig gewesen und an der Schießbude sei Kaiser die Idee gekommen, ein Andenken an das 64-er Jägerfest zu schießen. Jeder durfte mal ran, am Ende gabs einen roten Teddy.

Die erste Reise
Vier Jahre lang dämmerte das wuschelige Tier dann wahrscheinlich auf dem Dachboden eines Neheimer Einfamilienhauses, bis sich jemand seiner erinnerte und ihn, wohl nur aus Jux, zum Hofstaatbären erklärte. "1968 haben wir ihn am Dienstag nach dem Schießen das erste Mal mit auf Reisen genommen", sagt Klein. Ein Foto von damals zeigt den Bären umrahmt von Quadrille-Tänzer Hermann Krick und Kleins Frau Gerda. Aber auch etwas anderes ist auf dem Bild zu erkennen: Der Bär war nackt.

Seine Uniform hat er erst 15 Jahre später bekommen, von Ulla Diers, Jägerkönigin von 1981 bis 1984. Sie befand wohl das Adamskostüm für einen Hofstaatbären unangemessen und strickte kurzerhand einen schwarz-weiß-grünen Jägerrock samt Mütze. So angezogen sitzt der Teddy bald wieder im Schwingenheuerschen Sessel, wo er vielleicht noch die eine oder andere Fluse verliert aber vor allem wohl noch gespannter als die meisten Neheimer auf die neue Königin wartet.

Quelle:  WP Lokalredaktion Neheim, 11.08.2004, Oliver Fischer


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