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 Neheimer Hühneressen

Schlemmen in Memoriam Graf Gottfried IV. ...

Das Ehrenmahl, mit dem an die Waldschenkung des Grafen Gottfried erinnert wurde, nannte man Donatoren-Traktatement, im Volksmunde aber Doktorenessen. Den Namen "Hühneressen" erhielt es in einer Zeit, als zur Bereitung des Mahles die Hühner verwendet wurden, die Neheimer Solstättenbesitzer um Michaelis an die Stadtverwaltung abliefern mussten.

"Das Donatoren-Vulgo-Hühneressen in Neheim" gab P. Seiner Veranlassung zu folgenden Versen:

Wo war in ganz Westfalen eine Stadt,
Die solch ein seltenes Glück wie Neheim hat?
Herr Gottfried, Graf von Arnsberg hatte sie so lieb,
Das er ihr neunmalhundert Morgen Wald verschrieb,
Bevor er ohne Leibeserben sank ins Grab,
Und Köln ihm für sein Land viel tausend Gulden gab,

Zum Dank hat Neheim seinem Herrn versprochen,
Für ihn und sein Gemahl in seiner Sterbewochen,
Memorien auf ewige Zeit zu gründen,
Als ob sie beide über Erden stünden.
Treu halt die Stadt, was sie dem Herrn versprach,
Am letzten Sonntag vor Michaelistag
Besucht der Bürgermeister und die Räte
Die Totenvesper und Vigilgebete.

Am Montag gehn sie um den Hochaltar
Dort bringt ein jeder seine Gabe dar.
Und wenn das Hochamt und die Predigt enden,
Zieh'n sie aufs Rathaus, um mit eigenen Händen
Jedwedem Schulkind ein Vierpfennigsbrot zu spenden.
Die Kinder freuen sich all an diesen Gaben,
Denn Kinderherz und -mund sind leicht zu laben.

Wenns mittag läutet, gehn die Herren ins Haus
Des Stadtrentmeisters zu dem Leichenschmaus,
Wofür sie Donatoren-Essen sagen.
Das Wort ist halb lateinisch, klingt gelehrt,
Und heißt ein Mahl, womit man Geber ehrt.
Der Stadtdiener hat schon aufgetragen
In seiner Uniform ist er erschienen,
Die lieben Gäste würdig zu bedienen.

Der Bürgermeister setzt sich zum Pastor gemütlich,
Und alle Tischgenossen tun sich gütlich.
Das Mahl ist gut, doch jeder denkt, das Beste
Ist die Gemütlichkeit bei diesem Feste,
Drum kommen alle gern noch zweimal wieder
Und setzen sich zum Mittagsmahle nieder.

19?? - Stütchenverteilung vor dem Rathaus
19?? - Stütchenverteilung vor dem Rathaus


Quelle: "Neheim - Eingangspforte des Sauerlandes", September 1934

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