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20.01.2010
Im Fanfaren-Korps ist Spielen eines Instruments keine Frage des Geldes

Haste Töne? - Die Kinder, die erstmalig zum Fanfaren-Korps Neheim-Hüsten kommen, sind noch weit vom ersten Ton entfernt. Ausbilderin Vanessa Eckert fängt meist bei Null an - und das für richtig kleines Geld.
Musikalische Schulung ist auch heute noch oft ein Luxus. Was über den Blockflötenunterricht in der Schule hinaus geht, ist vielfach für Eltern mit geringeren Einkommen unbezahlbar. Teuren Privatunterricht können sich die wenigsten leisten und auch die Musikschulen nehmen nicht für Jedermann erschwingliche Beiträge. Auch die Kosten für Flöte, Gitarre oder Geige fallen bei den Familien schwer ins Gewicht. Gratis-Musikausbildung gibt es fast nur noch in der so genannten Laienmusik in Vereinen wie dem Fanfaren-Korps.
"Bei uns zahlen die Kinder für den Unterricht nichts", sagt Vanessa Eckert. Die 29-Jährige bildet gemeinsam mit Elke Pitzer und Thomas Scheferhoff (Trommler) die Kinder, Jugendlichen und Neulinge im Neheimer Verein aus. Die Instrumente werden dem Nachwuchs gestellt. Derzeit werden im für 10.000 Euro im Jahr angemieteten Probenraum am Schleifmühlenweg elf Jugendliche ausgebildet - an der Fanfaren-Trompete und auch an der Trommel. "Wir wollen Kinder an die Musik heranführen", sagt Vanessa Eckert.
Die Fanfaren-Trompete ist ein schwieriges Instrument. Gespielt werden Naturtöne. Nicht per Tastendruck, sondern durch das Spiel der Lippen. "Das ist die Kunst", sagt die Ausbilderin. Und darauf zielt der Unterricht mit den Kindern auch ab. "Zunächst entwickeln wir ein Gefühl für das Mundstück und lernen gleichzeitig die Töne und Noten", erzählt Vanessa Eckert. Theorie und Praxis wechseln von Beginn an ab. "Sonst langweilen sich die Kinder", weiß die Fanfaren-Trompeterin. Die Trommelschüler beginnen zunächst mit Einzelschlägen auf dem Tisch, um ein Gefühl für die Stöcke zu bekommen. Erst dann geht es an die Trommel.
 Ausbilderin Vanessa Eckert mit einigen Nachwuchskräften des Fanfaren-Korps
Vor der professionellen Musikschulung will sich das 1956 gegründete Fanfaren-Korps Neheim-Hüsten mit seinen 200 Mitgliedern nicht verstecken. "Auch wir leisten gute Ausbildung", sagt Vanessa Eckert, "auch unsere Musik ist qualitativ sehr hoch". Immerhin kann sich der Jung-Musiker von Trompete zu Trompete steigern. Begonnen wird mit der Naturtrompete S in der vierten Stimme. Wer sein Instrument richtig beherrscht, spielt am Ende die erste Stimme. "Man kann sich immer weiterbilden", so die Fanfaren-Lehrerin des Vereins.
Ausbilder im Laienmusikverein ist ein Ehrenamt - kein Job. Im normalen Leben ist Vanessa Eckert Industriekauffrau. Musikausbildung ist für sie auch allgemeine Jugendarbeit. Sie selbst ist seit 18 Jahren im Fanfaren-Korps und hat die Musik dort "von der Pike auf gelernt". Die Kinder erleben Gemeinschaft und kommen mit dem Verein herum. "Im Sommer sind wir fast jedes Wochenende unterwegs", erzählt auch Jugendleiterin Jennifer Henke. Auch jetzt in der Karnevalszeit ist das stets spätmittelalterlich kostümierte Fanfaren-Korps stark gefragt.
Kinder werden dabei früh in die Gemeinschaft eingebunden. "Anfangs gehen sie auch schon als Fahnenträger mit", erzählt Jennifer Henke. Erst nach der ein- bis zweijährigen Grundausbildung, die die komplette Notenlehre umfasst, sind die Kinder auch mit Instrumenten dabei. Dabei, so die Ausbilder, wird jedem Schüler Zeit gelassen. "Wir geben jedem eine Chance", sagt Jennifer Henke. Die Kinder können auch zwischen den Instrumenten wechseln, wenn es mit Trompete oder Trommel nicht so recht klappen will.
Irgendwann schaffen es aber fast alle - und verschaffen sich Gehör im imposanten Fanfaren-Korps. Für Ausbilderin Vanessa Eckert schließt sich dann jedes Mal ein kleiner Kreis: "Es ist immer ein schönes Gefühl, wenn man sieht, dass die Kinder was gelernt haben."
Quelle: WP-print, 21.01.2010
LINKS zum Thema:
http://www.fk-neheimhuesten.de/
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