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 23.02.2008

"Seelsorger in der Hölle" starb einsam

"Wir waren erst einmal wie gelähmt", erinnert sich die 82-jährige Theresia Stock, als sie vor nunmehr 60 Jahren vom plötzlichen Tod ihres Bruders erfuhr. "Das kam per Telegramm vom Caritasverband aus Freiburg: Abbé Franz Stock am 24. Februar verstorben. Aus! Das war alles, was wir erfuhren."

Theresia Stock und Erzbischof Becker
Theresia Stock und Erzbischof Becker

Er war noch keine 44 Jahre alt, als ihn in dem unter kommunistischer Leitung stehenden Hospital Cochin in Paris der Tod ereilte. "Blutsturz" wurde als Todesursache angegeben. Stocks Gesundheit war angegriffen, neben der körperlichen wohl auch die seelische. Denn unsägliches Leid hatte er miterleben müssen, als er während der deutschen Besetzung Frankreichs die zum Tode Verurteilten in den Gestapo-Gefängnissen von Paris als "Seelsorger in der Hölle", wie die Franzosen ihn nannten, bis zur Hinrichtung begleitete. Etwa 2000 werden es gewesen sein.

Im Gegensatz dazu war er im Tode ganz allein. "Wir wussten zunächst gar nicht, wo er beerdigt war. Das haben wir erst später erfahren", berichtet Theresia Stock. Es war kein Familienmitglied dabei, als er am 28. Februar 1948 auf einem Soldatenfriedhof ein kärgliches Grab mit grobem Holzkreuz erhält. Nur zwölf Personen haben ihm das letzte Geleit gegeben.

"Im Herbst davor hat er uns noch hier in Neheim besucht", erzählt Franz Stocks Schwester, jüngstes und letztes noch lebendes Kind der Neheimer Arbeiterfamilie Stock, die insgesamt neun Nachkommen hatte. "Er hatte sich noch einiges, auch Neues vorgenommen. Er wollte die Seelsorge für die in Frankreich verbleibenden ehemaligen deutschen Soldaten übernehmen."

Theresia Stocks ältere Schwester Franziska (1995 verstorben) erhielt schließlich die Einreisegenehmigung und konnte in Paris den Nachlass ihres Bruders regeln. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatte sie ihm dort, wo er die deutsche Gemeinde leitete, den Haushalt geführt, davor schon in Dortmund-Eving, wo Stock als junger Vikar eingesetzt war. "Die beiden verstanden sich so gut. Sie haben viel miteinander unternommen."

Stocks Mutter und seine Schwester Franziska konnten aber dabei sein, als er 1951 auf dem Friedhof Thiais, etwa 15 Kilometer südlich von Paris, eine würdigere Grabstätte erhielt. Französische Freunde hatten sich dafür eingesetzt und Mitglieder des französischen Widerstands für den Grabstein gesorgt.

"Die dankbaren Familien der französischen Gefangenen und Erschossenen" und groß "Pax" (Frieden) steht auf dem Stein, der auch heute noch Stocks Grab bezeichnet. Nach erneuter Umbettung des Leichnams befindet es sich seit 1963 in der Kirche Saint Jean Baptiste in Chartres, der zweiten großen Wirkungsstätte des Neheimers Franz Stock.

Quelle: WR-online, 22.02.2008


LINKS zum Thema:
http://www.franz-stock-komitee.de/
http://www.st-johannes.neheim.de/

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